* Hainichen

Auszug aus der Rede zum Neujahrsempfang

Liebe Gäste des Hainichener Neujahrsempfangs 2023,

herzlich willkommen zur ersten Veranstaltung ihrer Art hier im Goldenen Löwen. Es ist heute übrigens der erste Neujahrsempfang, den Hainichen als Große Kreisstadt ausrichtet.

Ich wünsche Ihnen allen, auch im Namen meiner Frau, der Herren Stadträte und Kolleginnen und Kollegen bei der Stadtverwaltung ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2023.

Wenn es nach dem Ausmaß der Knallerei in der Silvesternacht gehen würde, könnte man glauben, wir leben in sorgenfreien Zeiten und dies bei einem allgemein hohen Wohlstand. Wir wissen, dass dies leider nicht so ist. Wir blicken 2022 auf ein äußerst ereignisreiches und bewegtes Jahr zurück. In der Welt, in Europa, in Deutschland, aber auch in unserer Stadt.

Reiht man die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart aneinander, ist unser Leben aktuell von einer Vielzahl Krisen geprägt: Flüchtlings-, Corona-, Energiekrise, fehlende Arbeitskräfte, Inflation und Krieg in Europa sind die Herausforderungen unserer Zeit.

Eine dadurch motivierte Flut an gesetzlichen Änderungen prägt unseren Alltag. Bestätigt und gefestigt wird dies durch eine uns bisher nicht gekannte Tugend, gesetzliche Pflichten kurz vor deren Wirksamwerden zu verschieben, manchmal sogar wiederholt.

Während meine Hainichener Bilanz für die vergangenen 12 Monate durchaus positiv ausfällt, kann man dies leider von den über uns liegenden Ebenen nicht sagen. Wer hätte vor einem Jahr zum Jahreswechsel gedacht, dass kurze Zeit später ein Krieg zwischen „Brudervölkern“ in Europa ausbricht, welcher unseren gesamten Kontinent in seinen Grundfesten erschüttert? Leidtragender bei jedem Krieg ist in erster Linie die Zivilbevölkerung, oft alte Menschen und Kinder. Ich frage mich, ob man bei den Bildern der verzweifelten Menschen aus der Ukraine im Kreml einen Hauch von Mitleid und Menschlichkeit verspürt. Wann endlich gesteht man sich in Moskau ein, dass der Angriffskrieg ein riesiger Fehler war und die breite Masse der ukrainischen Bevölkerung die Russen nicht als Befreier begrüßt, sondern faktisch ein ganzes Land oft unter Einsatz des Lebens für seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpft? Diese Einsicht kommt Wladimir Putin leider auch nicht beim Blick auf zahlreiche Opfer im eigenen Volk. Ob beim ukrainischen Angriff in der Neujahrsnacht aufs Reservistenlager im russisch besetzten Makijiwka wie von der russischen Armee behauptet 89 oder die vom ukrainischen Militär genannten 400 russischen Soldaten ums Leben gekommen sind, auch davon war jeder Tote einer zu viel. Zigtausende Menschen könnten noch am Leben sein, wenn Wladimir Putin erkannt hätte, dass man Dinge nicht künstlich zusammenhalten kann, welche die breite Mehrheit der Menschen nicht möchte. Wenn Länder wie Schweden und Finnland Mitglied der NATO werden möchten, geschieht dies freiwillig, zu 100 % aus freien Stücken, die versuchte Annexion der Ukraine an Russland soll mit Gewalt und unter der bewussten Inkaufnahme zigtausender Toder erreicht werden. Das ist der Unterschied.

Wie krank muss man sein, wenn man auf russischer Seite immer wieder behauptet, die Ukraine von Nazis befreien zu wollen und sich selber dutzendfach Gräueltaten und Folter schuldig macht? Ich frage mich angesichts der Bilder aus Butscha, Cherson, und Mariupol ernsthaft, wie Ukrainer und Russen jemals wieder friedlich zusammenleben wollen. Absolut kein Verständnis habe ich, wenn geworben wird, Putin die Ostukraine zu überlassen und gleichzeitig damit Tür und Tor öffnet, in Moldawien, Georgien, im Grenzgebiet zu Japan und anderswo ebenfalls kriegerische Handlungen vorzunehmen. Dass er es nicht mit Momentaufnahmen belässt, haben wir nach der Einnahme der Krim gesehen. Jeder der dachte, dass Putin jetzt seinen Willen hat, sieht sich seit 24.2. letzten Jahres getäuscht. Ich sage diese Anschuldigungen gegenüber dem Kreml als jemand, der sich vor Jahresfrist noch als „Putinversteher“ geoutet und Verständnis für Russland geäußert hat.

Wir müssen uns im Klaren sein: Das Russland, an welches wir uns erinnern und zu dem wir über Jahrzehnte große innere Nähe spürten, weil es gerade die Russen waren, welche die deutsche Wiedervereinigung ermöglichten, gibt es leider aktuell so nicht mehr. Russland ist ein Staat geworden, der Landraub betreibt. Ein Land, welches Städte bombardiert, Schulen, Krankenhäuser, Wohnhäuser und Kindergärten zerstört, welches Schuld für millionenfaches Leid hat, im ukrainischen und eigenen Volk. Putin hat dem Westen den Krieg erklärt, unserer Lebensart unseren Werten. Und ist bereit, jeden Preis dafür zu bezahlen. Ich habe bei den Bildern aus Grosny und Syrien selber die Augen verschlossen und ärgere mich, wie blind ich damals war. Dabei verkennt Putin, das Leben im eigenen Oligarchenreich ist viel dekadenter als bei uns und es gibt dort neben unsäglichem Reichtum auch weitverbreitete Armut.

Ein passendes Zitat zum Thema habe ich kürzlich gelesen und möchte es heute vortragen: „Krieg ist ein Ort, an dem junge Menschen, die sich nicht kennen und auch nicht hassen, sich selber gegenseitig töten. Durch die Entscheidungen alter Menschen, die sich kennen und hassen, aber sich nicht gegenseitig umbringen“

Ich bin froh und stolz, dass es in Hainichen Menschen mit Herz gibt, die bereit sind, Ukrainer von der Grenze abzuholen und oft sogar, sie zu Hause aufzunehmen. Die überwältigende Hilfe, die von vielen Menschen aus Hainichen ausging, um flüchtenden Menschen zu helfen, hat mich bewegt und beeindruckt. So bin ich sehr dankbar für die Initiative rund um die Firma Naturbrennstoffe Kretschmann, welche insgesamt 14 Hilfstransporte mit lebenswichtigen Gütern letztes Jahr beladen und in die Ukraine geschickt hat. Danke Thomas Kretschmann, danke allen Helferinnen und Helfern, danke den Spendern für die gezeigte Menschlichkeit.

Während die Staaten der Europäischen Union bei der Beurteilung des Ukrainekrieges weit-gehend Einigkeit zeigen, ist dies in anderen Bereichen nicht der Fall. Auch in Deutschland und in Sachsen gibt es Entwicklungen, welche mich sorgenvoll in die Zukunft blicken lassen.

Nachdem die Zeit der großen Volksparteien vorbei ist, sind Regierungskoalitionen aus drei und mehr Partnern, welche sich ideologisch über ein breites politisches Spektrum erstreck-en, zwischenzeitlich eher Regel als Ausnahme, auch in Sachsen und in der Bundesrepublik. Die Ideologien der beteiligten Parteien vermitteln bei der Regierungsarbeit oft den Eindruck einer gewissen Unordnung. Dabei handelt es sich aber in vielen Fällen um Kompromisse, um überhaupt an der Basis der Partei Akzeptanz für Entscheidungen zu erzielen, welche den Grundsätzen vieler Parteimitglieder ansonsten entgegenstehen.

Gerade bei Ereignissen wie jüngst in Berlin ist aus meiner Sicht der Staat gefordert, schnell und mit aller Härte Krallen zu zeigen und dies zu kommunizieren. Ansonsten besteht Gefahr, dass die Akzeptanz für den Rechtsstaat weiter sinkt. Wenn ich höre, dass 3 Tage nach Neujahr alle Täter, welche Polizei und Rettungskräfte angegriffen haben, wieder auf freiem Fuß sind, dann klingt dies eher nach einer Einladung für weitere Straftaten als für einen harten Rechtsstaat. Der Angriff auf Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter im Dienst ist mit nichts zu rechtfertigen und muss sehr schnell auf das Härteste bestraft werden.  

Überhaupt bereiten mir Radikalisierungen in verschiedene politische Richtungen große Sorge. Ich finde es geradezu abstoßend, wenn Vereinigungen wie „Freie Sachsen“, „Der Dritte Weg“ oder die Reichsbürger völlig offensichtlich eine Staatsformänderung erreichen möchten. Wenn Politiker, welche sich einer Diskussion stellen, offen niedergebrüllt und beleidigt werden, ohne sich deren Meinung überhaupt anzuhören. So war dies vor rund einem Jahr beim Besuch von Ministerpräsident Michael Kretschmer im Frankenberger Stadtpark der Fall. Bei Ausstrahlung der Bilder in der ARD und in anderen Fernsehstationen mit pöbelnden „Hau Ab“ Rufern habe ich mich für unsere Heimat geschämt.

Ähnlich verhält es sich aber auch bei den Aktivitäten der so genannten „Letzten Generation“. Wer sich an Straßen oder Landebahnen festklebt, Kunstwerke von Weltrang mit Flüssigkeit übergießt oder mit anderen radikalen Methoden auf sein Ansinnen aufmerksam machen will und glaubt, damit die Welt zu retten, verdient Missachtung und die Härte des Gesetzes. Wer für derartige Auswüchsige, wie die vorher geschilderten Dinge offen ist, der ist aus meiner Sicht in erster Linie sprichwörtlich eines: Nicht ganz dicht.  

Überhaupt finde ich, dass es in Deutschland zunehmend immer mehr Menschen jeder neuen Kampagne hinterherlaufen. Ich meine nicht nur Neonazis, Rechtsradikale und Reichsbürger, sondern auch Querdenker und Verschwörungstheoretiker. Ich kann mich noch gut an die Kampagne Y2K erinnern, als es zur Jahrtausendwende hieß, am 1.1.2000 würden alle Computer verrücktspielen. Passiert ist freilich nichts. Die Krönung dieser Strömungen ist für mich die sogenannte Gendersprache: Nur weil ein paar wenige Patriot:innen unter völliger Unkenntnis wie Sprache funktioniert, das Ganze mit Emanzipation verwechseln, sollen jetzt alle akzeptieren, wie unsere Sprache verhunzt wird.  

Doch von der Welt- und Deutschlandpolitik zum Geschehen in unserer Stadt und ihren Ortsteilen. Auch 2022 ist es nach meinem Dafürhalten gelungen, viele Dinge voranzubringen

Allen voran natürlich der Glasfaserausbau, größtes Tiefbauprojekt in der Geschichte unserer Stadt. Wertumfang insgesamt rund 40 Millionen €. Die Arbeiten bei allen 4 Baulosen haben vergangenen Montag wieder angefangen. Sie werden auf jeden Fall 2023 abgeschlossen. Nur wenige Tage trennen uns von der Freischaltung der ersten Glasfaseranschlüsse.  

Nicht nur im Tiefbau gibt es derzeit das größte Projekt der Stadtgeschichte, im Hochbau ist dies ebenfalls der Fall. Allerdings war die Stadt dort nicht unmittelbar beteiligt: Es geht um die Errichtung des Logistikzentrums Mittelsachsen. Das Geheimnis, welcher Mieter einzieht, ist mittlerweile gelüftet: Die Firma Geodis wird dort im Auftrag von LIDL Logistik vor allem für Artikel im Nonfood Bereich betreiben. Ich werde mich hoffentlich zeitnah mit Vertretern von LIDL/Geodis treffen und hoffe, Kenntnis über entstehende Arbeitsplätze und weitere Dinge zu erhalten. Bei aller Freude über neu entstehende Arbeitsplätze werden bei einem derart großen Bauvorhaben logischerweise der Landwirtschaft wichtige Flächen entzogen. Ob im Fall der Errichtung des Logistikzentrums Mittelsachsen diesbezüglich der Zweck die Mittel heiligt, kann ich aktuell noch nicht einschätzen.  

Im Bereich der freiwilligen Aufgaben der Stadt gab es ebenfalls in jüngster Vergangenheit eine Rekordinvestition: Die Eröffnung des runderneuerten Freibads erfolgte Ende Mai 2022.  

Unser Sportforum erhielt nach Rekordinvestitionen der Vorjahre mit Neubau des Kunst- und Naturrasens und Leichtathletikanlage einen zusätzlichen Parkplatz neben der Turnhalle.  

Mit dem ehemaligen Kino, der früheren „Lederbude“, später WEURO, sowie den Brachen in Cunnersdorf verschwanden auch 2022 mehrere sogenannte Schandflecke im Stadtbild.

Nicht zu vergessen die Fertigstellung der Heinrich-Heine-Straße, des zweiten Abschnitts der Michael-Meurer-Straße sowie der Zufahrt zur Firma Schindler Faltwände am Striegisweg. Damit hat sich der Zustand unseres Straßennetzes ein ganzes Stück weiter verbessert.

Unser Parkpflegekonzept wurde auch 2022 weiter umgesetzt, im vergangenen Jahr mit Sanierung des Goldfischteichs und bald auch mit neuer Technik bei unserer Blumenuhr. Die generalüberholte Freifläche an der Parkgaststätte wurde Anfang 2022 fertig gestellt, der Brunnen mit der Hornisse und der Spinne erfreut Jung und Alt gleichermaßen.

In unseren Ortsteilen gab es im Vorjahr ebenfalls beträchtliche Investitionen, allen voran der Neubau des Feuerwehrgerätehauses (mit angeschlossenem Dorfgemeinschaftshaus) in Cunnersdorf. Ich bin sicher, dass wir im Verlauf des Jahres den Umzug der Kameradinnen und Kameraden der dortigen Wehr feiern können. Besonders erfreulich 2022 war, dass wir nach zweijähriger pandemiebedingter Zwangspause wieder ausgiebig feiern konnten. Das haben wir reichlich genutzt, beim Parkfest, zahlreichen Dorffesten, bei „Krach am Bach“, Camera- und Jäger- und Anglerfest, Weihnachtsmarkt und zu vielen weiteren Anlässen.

Neben Licht gab es 2022 auch Schatten: Leider haben wir beim Hochwasserschutzkonzept für die Kleine Striegis immer noch kein Baurecht fürs Regenrückhaltebecken in Berthelsdorf. Hier hoffe ich sehr, dass sich dies 2023 ändern wird. Für den 26.1. habe ich alle beteiligten Behörden nach Hainichen eingeladen, um den gordischen Knoten zu zerschlagen. Ich hoffe, dass in diesem Jahr mit dem Planfeststellungsbeschluss Baurecht hergestellt wird.

Auch beim Striegistalradweg, im Abschnitt von der Kratzmühle bis Niederstriegis, ist der in Aussicht gestellte Planfeststellungsbeschluss noch nicht erlassen worden. Man hat uns diesen für die erste Jahreshälfte 2023 in Aussicht gestellt.

Beim Bau der Radwege von Gersdorf nach Falkenau und Falkenau nach Hainichen hatte ich ebenfalls gehofft, Anfang 2023 ein Stück weiter zu sein. Hier hängt es nach Angaben des LaSuV in erster Linie am Personalmangel im dortigen Amt. Auch der geplante Radweg von der B169 in Falkenau über die Lehmgrube zur ehemaligen Gartenklause wurde bislang noch nicht gebaut. Ich hoffe, dass eine zeitnahe Realisierung kein illusorischer Wunsch ist. Notartermine sind für Anfang März terminiert.

Anders beim Radweg Freibad - Schneiderhäuser, hier muss bezüglich Wegeführung bei einigen Grundstücksbesitzern noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Der erste Abschnitt des geplanten Wegs zwischen Lerchenweg und Am Bad könnte sofort gebaut werden, der entsprechende Grunderwerb wurde getätigt. Sehr schade, wenn der Radweg vom Freibad zu den Schneiderhäusern nicht klappt, denn er würde für Schülerinnen und Schüler und auch Badbesucher ein erhebliches Mehr Sicherheit beim Weg zur Schule und ins Freibad bringen. Der Radweg könnte nach Fertigstellung sowohl von Cunnersdorfer, Bockendorfer, Eulendorfer und Langenstriegis Bürgern genutzt werden.

Ebenfalls erworben haben wir weite Teile des ehemaligen Molkerei- und Brauereigeländes: Hier wollen wir Parkplätze für Anwohner des Neumarkts und Besucher von Veranstaltungen im Goldenen Löwen schaffen.  

Erwähnenswert im vergangenen Jahr auch die Tatsache, dass der Deutsche Meister in der Leichtathletik über 400 Meter aus Riechberg stammt.  

Was wäre eine Stadt ohne ehrenamtliches Engagement: Beim Parkpflegetag, bei verschie-denen „Subbotniks“ in den Ortsteilen, bei der Durchführung zahlreicher Feste und natürlich bei zahlreichen Vereinen und unserer Freiwilligen Feuerwehr. Menschen, die bereit sind, einen Teil ihrer Zeit in den Dienst der Mitmenschen zu stellen, machen das Leben in einer Stadt erst lebenswert. Mich beeindrucken Begegnungen mit Menschen immer wieder, die ohne große Worte anpacken, um ihre Umgebung lebenswerter zu gestalten.

Sehr erfreut bin ich darüber, dass der größte Verein unserer Stadt, der SV Motor Hainichen, mit Kay Kubitz einen neuen, sehr engagierten und weithin anerkannten neuen Vorsitzenden gefunden hat. Gleichzeitig danke ich Dietmar Judas heute noch einmal ganz herzlich für sein jahrzehntelanges Engagement als Vorsitzender des Vereins SV Motor Hainichen. Mein Dank gilt natürlich auch allen anderen Vereinsvorständen unserer Stadt und ihrer Ortsteile. Ich ziehe meinen Hut vor der Bereitschaft von Kay Kubitz, gemeinsam mit Johnny Kreisig als Stellvertreter das verantwortungsvolle Amt des Vorsitzenden vom SV Motor Hainichen zu übernehmen. Einen gemeinsamen Wunsch, ja eine schöne Vision haben wir beim ersten Meinungsaustausch kurz nach Weihnachten bereits festgestellt: Hainichen stünde es gut zu Gesicht, wieder eine schlagkräftige Leichtathletikabteilung zu haben. Derzeit gibt es leider keinerlei Aktivitäten auf diesem Gebiet. Durch Fertigstellung der Leichtathletik C-Anlage im Sportforum wären die Rahmenbedingungen geradezu ideal. Derzeit wird die tolle Anlage nur für den Schulsport genutzt. Mehrere Hainichener Eltern bringen ihre Kinder derzeit, oft mehrfach pro Woche, zum Leichtathletiktraining nach Frankenberg und Mittweida. Kay Kubitz und ich würden uns sehr freuen, wenn es einen engagierten Prinzen gäbe, der das Dornröschen mit Namen Leichtathletik wachküsst. Potentielle Prinzen und Prinzessinnen können sich jederzeit an Herrn Kubitz aber auch an mich wenden.

Durchaus erwähnenswert und erfreulich war im letzten Jahr die Einwohnerentwicklung von Hainichen. Bevor ich sage warum, muss ich leider auch einige Wermutstropfen ins Glas kippen: Mit 52 Geburten wurden 2022 in Hainichen so wenig Kinder geboren wie seit 1993 nicht mehr. Die Tatsache, dass mit 173 Todesfällen im Vorjahr mehr als dreimal so viele Personen in unserer Stadt verstorben sind, als neu geboren wurden, ist ebenfalls nicht schön. Trotz Negativsaldo von minus 121 zwischen Geburten/Sterbefällen ist die Zahl der Einwohner von Hainichen in den letzten 12 Monaten gestiegen: Von 8.475 auf 8.509. Mit 522 Zuzügen sind über 42% mehr Menschen zu- als aus unserer Stadt weggezogen.  

Hainichen ist also als Wohnort attraktiv. Dies alleine mit der guten Verkehrsanbindung zu begründen, wäre m. E. etwas kurz gedacht. Ich denke schon, dass es uns in den letzten Jahren gelungen ist, Hainichen als Wohnort attraktiv zu machen. Mit einem gepflegten Stadtbild, einer alles in allem sicheren Stadt, mit attraktiven Grünanlagen, einen breiten Wohnungs- und Arbeitsplatzangebot und auch mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. Viele unter Ihnen tragen daran ihren ganz persönlichen Anteil. Ein großes Dankeschön dafür.

Einwohnermäßig größter Ortsteil ist Gersdorf/Falkenau, wo es mit 365 Bewohnern für jeden Tag im Jahr einen Einwohner gibt. Durch das neu entstehende Wohngebiet an der Allee, wird der Spitzenplatz gefestigt werden. Größter Einzelort ist Schlegel mit 320 Bewohnern.     

Auf was können wir uns 2023 in Hainichen freuen?

Bereits übermorgen (15.01) erwartet uns ein erster Höhepunkt und zwar genau hier: Am Sonntag gibt die Mittelsächsische Philharmonie das Neujahrskonzert im Goldenen Löwen. Es gibt im Goldenen Löwen 2023 weitere Highlights unter anderem einen Auftritt der Herkuleskeule und das satirische Liederprogramm „Odole mio“ des MISKUS.

Ein besonderes Vereinsjubiläum können wir in Hainichen 2023 feiern: Das 175. Gründungsjubiläum des ATV. Vom 16. bis 24.9. plant unser Turnverein mehrere Veranstaltungen. Unter anderem sind Schauturnen, offenes Training und ein Turnerball geplant.  

Natürlich wird es 2023 wieder ein Parkfest mit Envia Städtewettbewerb, ein Camerafest und den Weihnachtsmarkt geben. Auch Dorffeste sind geplant. Beim Jugendclub Berthelsdorf laufen heute schon die Vorbereitungen für Krach am Bach und das Berthelsdorffest.

Einen besonderen Höhepunkt werden wir am Montag, 24.4. erleben: Dann wollen wir an der Fassade des EDEKA-Markts der Generationen die Nischen an der Gebäudefassade mit Bildern bekannter Hainichener unserer Zeit füllen. Da an diesem Tag gleichzeitig die Frühjahrstagung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Ausschuss für Städtebau und Umwelt, im Goldenen Löwen stattfindet, ich darf übrigens in diesem Gremium seit 7 Jahren unseren Freistaat vertreten, werden insgesamt rund 50 Oberbürgermeister bzw. hochrangige Vertreter von Kommunen aus ganz Deutschland zu Gast in Hainichen sein.

Auch unser Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sein Kommen angekündigt. Viele der auf der Fassade abgebildeten Personen wollen am 24.4. ebenfalls nach Hainichen kommen. Zu sehen sein werden dort unter anderem der ehemalige Augsburger Bischoff Konrad Zdarsa, der Leichtathlet Marvin Schlegel, der bekannte Fernsehjournalist Torsten Misler, Filmregisseur Rainer Simon, Radsporttrainer Wolfram Lindner, Schriftsteller Andreas Altmann und weitere Personen mit Bezug zu Hainichen, die es weit über die Grenzen von Hainichen und Sachsen hinaus zu Bekanntheit gebracht haben.

Am 21.5. findet das Wolfram-Lindner-Gedächtnis-Radrennen rund um die Firma ISH statt.  Der in Hainichen beheimatete Mittelsächsische Kultursommer feiert 2023 sein 30jähriges Jubiläum. Das Jubiläumskonzert findet am 3.9. in unserer Trinitatiskirche statt, zu Gast sein wird die Vogtlandphilharmonie.

Unsere Hainichener Feuerwehr wird im Frühling nach 3jähriger Bestellzeit das langersehnte HLF 20 in Empfang nehmen können, in Cunnersdorf wird die Freiwillige Feuerwehr etwa um die gleiche Zeit das neue Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshaus beziehen.

In Riechberg soll die derzeit nur halbseitig befahrbare Brücke über den Dorfbach erneuert werden. Vorausgesetzt wir erhalten Fördermittel. Die Chancen dafür stehen sehr gut.

Eine Straßenbaumaßnahme, welche durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in diesem Jahr geplant ist, wird uns stark beeinflussen: Die Oberfläche der B169 zwischen Dittersbach (Abzweig nach Berthelsdorf) und Hagebaumarkt soll erneuert werden. Dies soll abschnittsweise mit Vollsperrung der Bundesstraße erfolgen. Ich habe allerdings noch keine Kenntnis, wann dies genau erfolgen soll und auch nicht, wie lange die Sperrung dauern wird. Sobald ich nähere Informationen habe, werde ich darüber im Gellertstadtboten informieren.

Die Arbeiten am Gellertplatz sollen ebenfalls in diesem Jahr beginnen, sodass dieser 2025, im Kulturhauptstadtjahr, in neuem Glanz erstrahlt. Wir haben im Technischen Ausschuss häufig und intensiv über das künftige Aussehen dieses städtebaulich wichtigen Areals diskutiert. Um hier weiterzukommen müssen wir zeitnah einen Baubeschluss mit der Vorzugsvariante fassen.

Rund um die Europäische Kulturhauptstadt wird es nach Einweihung des Windspiels mit dem Motto „Striegistaler Zwerge“ an der Spülgasse im Vorjahr auch 2023 Aktivitäten geben. Der Optikspielplatz soll zusammen mit dem Fest an der Camera obscura voraussichtlich am 13.5. eingeweiht werden. An der Waschanlage von Benny Oehme werden ab dem Sommer bekannte Hainichener Produkte von einst und heute zu sehen sein.

Auch im Park wollen wir das Parkpflegekonzept weiter umsetzen und uns in diesem Jahr dem Bereich unterhalb des Gellert-Museums am Rondell annehmen.

Nicht zu vergessen natürlich die Freischaltung des überwiegenden Teils der förderfähigen Haushalte mit dem neuen Turbointernet. Hainichen wird dann nicht nur im Landkreis Mittelsachsen für lange Zeit eines der leistungsfähigsten Internetnetze überhaupt besitzen.

Doch soll die Aufzählung nicht über eine Sache hinwegtäuschen: Noch niemals taten wir uns so schwer, einen genehmigungsfähigen Haushalt zu erstellen. Unserem Kämmerer Christian Schleußner ist es mit Hängen und Würgen gelungen, einen genehmigungsfähigen Haushalt zusammenzustellen. Er soll am 18.1. dem Stadtrat vorgestellt und am 8.2. im Stadtparlament beschlossen werden. Viele neue Investitionen wird das Werk aber nicht enthalten.

Enorme Preissteigerungen im Bereich der Energie und steigende Lohnkosten stellen uns vor enorme Probleme. Wenn hier nicht bald ein Eingreifen von höherer Ebene erfolgt, wird ein Großteil der Kommunen in unserem Land in nicht allzu ferner Zukunft praktisch pleite und gezwungen sein, Steuern und Abgaben weiter zu erhöhen. Ich hoffe sehr, dass sich an dieser dramatischen Situation bald etwas ändert.

Zum Schluss meiner Ansprache möchte ich einige Dankesworte loswerden. Nicht weil sich das so gehört, sondern weil es für mich eine Herzensangelegenheit ist.

Ich danke den Mitgliedern des Stadtrats und der Ortschaftsräte für ihre konstruktive Arbeit. Es steht bei den Diskussionen stets das Thema selbst und nicht Parteipolitik im Mittelpunkt. Dies war nicht immer so. Besonderer Dank meinen beiden Stellvertretern Jan Held und Max Kermes. Nachdem ich bis September 2022 alle Stadtratssitzungen seit meinem Amtsantritt selber leiten durfte, war es letzten Oktober soweit, dass nach 214 Sitzungen diese Serie gesundheitsbedingt zu Ende war.  

Ich danke den Kameradinnen und Kameraden bei unserer Feuerwehr für ihr Engagement: 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr bereit zu sein, Menschen zu helfen. Zu 90 Einsätzen wurden sie 2023 gerufen und haben alleine dabei 2.632 Stunden Dienst geleistet. Insgesamt 38 Brandeinsätze, 14 überörtliche Einsätze und viele weitere Alarmierungen fallen unter die Zahl. Für die Grund- und Weiterbildung wurden 631 Stunden ableistet. Hinzu kommen 1000e Stunden Dienste vor Ort und an der Landesfeuerwehrschule Sachsen. Liebe Feuerwehrleute unserer Stadt und der Ortsteile – ihr seid großartig!

Danke den Trainern und Übungsleitern unserer Vereine für ihr Engagement in den zurück liegenden 12 Monaten. Ich danke Ihnen allen für Ihr Engagement in den letzten 12 Monaten, als Unternehmer, Vereinsvertreter, als Bürgerpolizisten und in vielen anderen Positionen.

Danke allen Kolleginnen und Kollegen bei der Stadtverwaltung für ihren Einsatz 2022.

Persönlich möchte ich mich für viele Genesungswünsche bedanken, die während meiner Krankheit mich im Oktober/November 2022 erreichten. Sie haben mir besser geholfen als die Arznei und waren ein wichtiger Mosaikstein, schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Liebe Gäste des Neujahrsempfangs: Vor uns liegen im Jahr 2023 noch rund 50 Wochen. Was wünsche ich mir, was wünsche ich Ihnen:

Natürlich hoffe ich sehr, dass das Blutvergießen in der Ukraine als Hauptursache für viele aktuelle Probleme schnell ein Ende hat. Dass man sich an den Verhandlungstisch setzt und auch bereit ist, einander zu vergeben.

Für unser Land wünsche ich mir Zuversicht, einen Rechtsstaat, der auch bereit ist, seine Krallen auszufahren, der Täter nicht oft gleich wieder in die Freiheit entlässt, sondern die Härte des Gesetzes spüren lässt. Und dies nicht erst Monate nach der Tat.

Ich wünsche mir, dass die Coronapandemie wirklich zu Ende ist, dass die Gräben, welche in Zusammenhang damit oft quer durch Familien gegangen sind, weiter zugeschüttet werden.

Von unseren Menschen wünsche ich mir oft mehr Hoffnung statt Angst, mehr Überzeugung statt immer neuer Regelungen, mehr Eigeninitiative statt Vollkaskomentalität. Und auch mal den ehrlichen Satz: „Wir können froh sein, wenn es uns morgen und übermorgen so gut geht, wie heute“. 

Zum jüngsten Jahreswechsel haben Worte, welche man sich seit Jahren zu diesem Anlass wünscht, tiefere Bedeutung bekommen. Wenn wir uns Gesundheit wünschen, wissen wir, dass diese nicht immer gegeben ist. Wenn wir Frieden wünschen, wissen wir, dass dieser nicht selbstverständlich und Glück für viele Menschen auf dieser Welt nur ein Traum ist, von Freiheit ganz zu schweigen. Bleiben Sie mir, bleiben Sie der Stadt gewogen und vor allem bleiben Sie gesund. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Dieter Greysinger

Oberbürgermeister

(weitere Bilder finden Sie im Gellertstadtbote ab 28.01.2023)

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