Dass eine deutsch/deutsche Städtepartnerschaft auch nach 36 Jahren noch voller Leben ist und es regelmäßige Besuche, viel Herzlichkeit und langjährige tiefe Freundschaften gibt, ist in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich.
Was noch vor der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 mehr als Zufall begann, ist heute ein gelebtes Zeichen Deutscher Einheit und eine wunderschöne „Gegenbewegung“, die Deutsche Einheit schlecht zu reden.
„Ost-Ost-Ostdeutschland“ Rufe bei Fußballspielen in den „Neuen Bundesländern“, aber auch abfällige Bemerkungen von Westdeutschen, z. B. bei Talkshows und bei Besuchen von Fußballfans in Stadien von Mitteldeutschland, scheinen im 36. Jahr der Deutschen Einheit leider sogar wieder zuzunehmen. Nicht so zwischen Hainichen und Dorsten.
Als eine Gruppe Dorstener Rathausmitarbeiter im Frühjahr 1990 nach Sachsen aufbrach, um eine Städtepartnerschaft zu schließen, war Hainichen nicht der „Wunschkandidat“. Dies lag insbesondere an der Größe der Stadt an der Lippe: Mit rund 80.000 Einwohnern war Dorsten seinerzeit rund 8mal so groß wie die Gellertstadt. Außerdem war damals der Bergbau in Dorsten noch der größte Arbeitgeber und sehr aktiv. Hainichen hat diesbezüglich ja eine eher überschaubare Tradition.
Aber Dorstens „Wunschkandidat“ Freiberg war damals bereits „vergeben“. Die Bergstadt und Heimat der ältesten montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt hatte mit Clausthal-Zellerfeld schon eine andere westdeutsche Kommune als Partnerstadt.
Nachdem die Dorstener seinerzeit nicht mit leeren Händen nach Hause kommen wollten, fuhren sie in Hainichen, wo man eigentlich nur auf die Autobahn auffahren wollte, um die Rückfahrt anzutreten im Hainichener Rathaus vorbei. Am 4. Juli 1990, übrigens dem 275. Geburtstag von Christian Fürchtegott Gellert, wurde die Städtepartnerschaft besiegelt.
Und sie ist auch heute immer noch voll Leben. Dies insbesondere dank der innigen Kontakte der Schützenvereine. Ohne Unterstützung aus Dorsten und dem unermüdlichen Einsatz des unvergessenen Egbert Liebold wäre 2002 nicht die Priv. Schützengilde zu Hainichen 1717 e. V. wieder gegründet worden. Sie feiert kommendes Jahr ein Vierteljahrhundert Bestehen.
Bei den Schützenfesten in Dorfhervest und in der Feldmark ist regelmäßig eine größere Delegation aus Hainichen zu Gast und zum Hainichener Parkfest gibt es alljährlich den „Gegenbesuch“. In diesem Jahr waren manche Dorstener sogar schon das zweite Mal in Hainichen. Nachdem man sich gegenseitig bei einer „Baumpflanz-Challenge“ nominiert hatte, besuchte eine Dorstener Delegation Anfang Februar 2026 Hainichen, um bei der Winterwanderung und dem traditionellen Apfelschießen mitzumachen.
Aufgrund des 23. Sächsischen Landesschützentreffens, welches 2026 in Hainichen ausgetragen wurde, hatten sogar noch mehr Schützen aus Dorsten als üblich die rund 550 Kilometer lange Fahrt auf sich genommen.
80 Personen, überwiegend aus den Schützenvereinen Dorfhervest und Feldmark 1 und 2, aber auch vom Schützenverein Dorsten-Hardt feierten 3 Tage ausgelassen mit den Hainichener Schützenbrüdern und Schützenschwestern. Auch der Fanfarenchor Hervest-Dorsten machte Hainichen die Aufmachung und sorgte mit musikalischen Klängen bei der Ehrenveranstaltung im Goldenen Löwen und beim Schützenumzug durch die Stadt für eine ganz besondere Note. Natürlich machte man auch beim Schießen um den Hainichener Bürgerschützenkönig mit. Seit es diese Tradition gibt, hatten schon häufig Dorstener Schützen die Trophäe mit nach Nordrhein-Westfalen genommen. Nicht aber in diesem Jahr, wo der Titel ins benachbarte Mittweida ging.
Die Hainichener Schützen kümmerten sich während der gesamten Zeit liebevoll um ihre Gäste. Nach einem „5-Sterne-Hotel-Frühstück“, angerichtet von den Mitgliedern der Priv. Schützengilde und ihren Ehrenfrauen, traten die Dorstener am Sonntag kurz vor Mittag die Heimreise an und erreichten ihre Heimat glücklicherweise staufrei noch kurz vor dem Anpfiff des WM-Finales Spanien-Argentinien.
Die nächsten Termine sind schon ausgemacht: Nächstes Jahr zum Schützenfest in Dorfhervest werden die Hainichener wieder zu Gast sein. Sprecher beim Schießen um den Schützenkönig ist mit Lars Hermann übrigens ein Mitglied der Sächsischen Schützen. Ein großer Dank an dieser Stelle an alle, welche die Freundschaft so mit Leben erfüllen. Danke dem 1. Direktor der Hainichener Schützen, Matthias Liebold und seiner tollen Truppe.
Dieter Greysinger
Oberbürgermeister
Vielen Dank an Renee Pappelbaum/Reality Moments/Betreutes Trinken für die kostenfreie Bereitstellung der Fotos..
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